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Elementarschadenversicherung
Neue Studie zeigt: Die Kosten entscheiden – und variieren erheblich
Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Überschwemmungen wächst der politische Druck, den Versicherungsschutz gegen Elementarschäden flächendeckend auszuweiten. Ob dies durch eine Pflichtversicherung oder durch bessere Anreize für freiwillige Absicherung geschehen sollte, ist umstritten. Eine aktuelle Untersuchung präsentiert nun erstmals belastbare Daten zur tatsächlichen Kostenbelastung – differenziert nach allen Risikozonen in Deutschland.
Die Analyse basiert auf 80.687 realen Versicherungsangeboten für ein typisches Einfamilienhaus mit einem Wert von 500.000 Euro. Sie zeigt: Im Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) Risikozone 1, also bei geringem Risiko, beträgt der durchschnittliche Aufschlag für eine Elementarschadenversicherung unter 150 Euro jährlich. In Zone 2 liegen die Kosten meist zwischen 200 und 350 Euro. In den Hochrisikozonen 3 und 4 hingegen klettern die Prämien auf über 1.000, teils über 3.000 Euro pro Jahr – bei einem Selbstbehalt von 500 Euro.
Breite Streuung – und extreme Spitzen
Besonders auffällig ist dabei die enorme Preisspreizung innerhalb einzelner Risikozonen: So reichen die Aufschläge in identischen Zonen von 19 Euro bis über 3.100 Euro. Gründe dafür sind laut Studie unter anderem veraltete Tarifgenerationen, neue Risikomodelle nach der Ahrtalkatastrophe im Jahr 2021 und eine geringe Markttransparenz.
In Hochrisikogebieten kaum Angebote
Die Ergebnisse machen deutlich: Gerade dort, wo der Schutz besonders wichtig wäre – etwa in ZÜRS-Zone 4 –, ist der Markt besonders dünn. Viele Versicherer bieten dort keine standardisierten Online-Tarife an, Angebote gibt es oft nur nach individueller Risikoprüfung. Die Studie spricht von einem faktischen Marktversagen: Geringe Nachfrage, hohe Prüfkosten und die verbreitete Erwartung staatlicher Hilfen im Katastrophenfall verhindern einen funktionierenden Wettbewerb.
Politische Optionen – aber differenziert
Eine pauschale Pflichtversicherung ohne Ausgleichsmechanismen hätte weitreichende Folgen: In Hochrisikozonen träfe sie eine kleine Eigentümergruppe mit extremen Mehrbelastungen – und würde dort womöglich auf geringe Akzeptanz stoßen. Die Autoren plädieren deshalb für eine differenzierte Lösung mit flankierenden Maßnahmen wie risikoadäquate Subventionen, gezielte Prämienentlastungen und Präventionsanreize. Nur so lasse sich eine sozial und wirtschaftlich tragfähige Lösung schaffen.
Kommentar
„Eine pauschale Pflichtversicherung für Elementarschäden ist nicht überzeugend. Während der Schutz für die meisten Eigentümer bezahlbar bleibt, führt er in Hochrisikozonen zu sehr hohen Kosten bei geringer Marktverfügbarkeit. Ein Versicherungszwang allein würde diese Gruppe unverhältnismäßig belasten und ist daher der falsche Ansatz.“
Matthias zu Eicken
Leiter Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik
Mitreden statt zuschauen: Ihre Erfahrungen zählen!
Die Diskussion um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden zeigt, wie stark Kosten, Risiken und Versicherungsbedingungen private Eigentümer und Vermieter betreffen. Wie gut sind Wohngebäude tatsächlich abgesichert? Wo bestehen finanzielle oder praktische Hürden?
Diese und weitere Fragen greifen wir in der bundesweiten Vermieterbefragung von Haus & Grund auf – auch zum bestehenden Versicherungsschutz, etwa bei Elementarschäden. Ihre Angaben liefern die Datengrundlage, um Eigentümerinteressen faktenbasiert zu vertreten.
- Jetzt teilnehmen unter https://hausund.co/vb2026
- Dauer: circa 15 bis 20 Minuten (anonym)
- Zeitraum: 1. Februar bis 15. April 2026
Was sind die ZÜRS-Zonen?
ZÜRS steht für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“. Jede Adresse in Deutschland ist einer von vier Hochwasser-Gefährdungsklassen zugeordnet.
- Zone 1: sehr geringes Risiko, statistisch kein Hochwasser größerer Gewässer
- Zone 2: seltene Hochwasser, etwa einmal in 100 bis 200 Jahren
- Zone 3: Hochwasserereignisse im Abstand von 10 bis 100 Jahren
- Zone 4: sehr hohes Risiko, Hochwasser mindestens einmal in 10 Jahren
Die ZÜRS-Zone ist ein zentrales Kriterium für Verfügbarkeit und Preis der Elementarschadenversicherung.
